Willkommen im Lockwitztal

Im Tal der Wassermühlen

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Letzte Aktualisierung: 22.01.2026
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Dankelmann Mühle in Niedersedlitz, 1759 bis 1990

Aus früherer Zeit ist von einer Mühle im Bauerndorf Niedersedlitz wenig bekannt. Einen Hinweis finden wir in der Geschichte der Niedersedlitzer Volksschule. Hier wird berichtet, dass am 26.August 1759 um 3Uhr früh die nächtliche Stille durch kriegerischen Lärm unterbrochen wird. Kroaten brachen das Tor der Niedersedlitzer Pachtmühle auf und wollten diese ausplündern. Der Meister Johann Christoph Langwagen und sein Sohn stellten sich den Plünderten entgegen. Dabei wurde der Meister an der Hand schwer verletzt und sein Sohn durch einen Säbelhieb in den Hals getötet. Der aus Radeberg kommende Johann Georg Opitz erwarb 1777 die Mühle von Andreas Gottfried Walther für 4.400 Taler. Zu jener Zeit arbeitete die Mühle mit drei Mahlgängen und einer Schneidemühle. Weiter gehörten zum Mühlengrundstück Felder, Wiesen und Gärten. Nach seinen Tod übernahm eines seiner Kinder die Pachtmühle. Bis 1841 bestand ein Mahlzwang für viele Dörfer im Königreich Sachsen. Das hatte zur folge, das die Niedersedlitzer Bauern ihr Getreide bis 1765 in der Schiffsmühle Laubegast und später in der Hofmühle in Plauen (spätere Bienertmühle ) an der Weißeritz mahlen lassen mussten. Erst mit den Aufhebung des Mahlzwanges in Sachsen konnten diese Bauern frei entscheiden, wo sie ihr Getreide mahlen lassen. Der zur Niedersedlitzer Mühle führende Wassergraben beginnt unterhalb der Niedermühle in Lockwitz und mündet heute neben der Freiwilligen Feuerwehr Niedersedlitz wieder im Lockwitzbach. Jahre Später, wird eine Windmühle zusätzlich zur Wassermühle auf Niedersedlitzer Flur errichtet. Beide Mühlen betreiben die Familien Opitz als Pachtmüller.
Briefkopf Dankelmann 1910
Von der einfachen Mühle zur Industriemühle Im Jahr 1873 erwirbt der Unternehmer A. Dankelmann die Wassermühle. Um seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen, schaltet er in örtlichen Zeitungen Anzeigen. Gleichzeitig investiert Dankelmann in die Mühle. So gab es bereits um 1880 ein Kesselhaus mit einer ersten Dampfmaschine. Diese Entwicklung wird jedoch durch ein Unglück im August 1892 unterbrochen, ein Grossfeuer zerstört die Mühle komplett. Ein verzweifelter Einsatz von 15 Spritzen aus den Nachbarorten und den beiden Ortsspritzen konnten das niederbrennen nicht verhindern. Zwei Jahre später führt dieser Brand mit zur Gründung eine Freiwillige Feuerwehr in Niedersedlitz. Bereits kurze Zeit später beginnt Dankelmann die Mühle größer und Leistungsfähiger als Mehl- und Brotfabrik wieder aufzubauen. Für eine unabdingbare zuverlässige Wasserversorgung der Modernen zwei Francis-Turbinen werden die oberen Mühlteiche angelegt. Zusätzlich zur Wasserkraft wurde eine Dampfmaschine mit einer Leistung von 75 PS aufgestellt. Der Name „Kunstmühle“ beschreibt somit die fortschrittliche Arbeitsweise der gesamten Anlage. Die Leistung reichte um 10 Mahlgänge inklusive der Maschinen in der Brotbäckerei zu betreiben. Damit besitzt die Mühle um 1902 eine beachtliche Leistung. Wir lesen im Geschäftsbericht von 1902 das die Mühle monatlich 211Tonnen Weizen und 93Tonnen Roggen vermahlen hat. Dafür waren 14 Müllerknappen zuständig. Mit 11 Bäckern wurden monatlich 49 Tonnen Brot gebacken und mittels Pferdegespann ausgeliefert. In der Nudelfabrik stellten 10 Frauen gemeinsam mit einen Meister 10 Tonnen Nudeln und andere Mehlerzeugnisse her.
Briefkopf Dankelmann 1928
Nach 1945 Nach dem Krieg, 1946 erfolgt die Enteignung der A. Dankelmann GmbH. Als Mühle Niedersedlitz bleibt sie weiter im Betrieb. Ab 1953 firmiert die Mühle unter VEB Weizenin und wird als Gewürzmühle genutzt. Der Name verrät es bereits, es wird insbesondere Weizenstärkepuder (Backstärke) mit den Namen Weizenin hergestellt was in der DDR sehr begehrt war. Nach der politischen Wende im November 1989 erwirbt 1991 die Familie Zamek aus Düsseldorf die Mühle von der Treuhand . Kurz darauf beginnt man mit der Räumung der Anlagen und schließt den Standort. Kleine Firmen nutzen nun die Räume der ehemalige Dankelmann Mühle. Dabei bleiben einige Etagen der Mühle ungenutzt. Ab 2004 stehen die Gebäude endgültig leer und sind dem Verfall preisgegeben. Das Ende der ehemaligen Dankelmann Mühle ist im Mai 2008 gekommen, die Gebäude werden abgerissen. Im Anschluss wird die geräumte Fläche renaturiert . Die vorgelagerten Teiche werden dabei mit einbezogen.
AK Dankelmann Kunstmühle
Dankelmann kauf Erlichtmühle in Heidenau 1929 Die im Jahr 1922 nach einem Totalbrand neuerbaute Erlichtmühle in Gommern, Heidenau rutscht mitten in der Wirtschaftskrise in den Konkurs. Im Frühjahr 1929 kommt es zur Zwangsversteigerung, A. Dankelmann aus Niedersedlitz erhält für 145.000,00 Mark den Zuschlag. Bereits im Mai 1929 übernehmen 5 Gesellschafter der Dankelmann Mühle Niedersedlitz die Mühle. Erstmals 1418 als Gommerner Mühle „eyne mullen under Myschaw“ (unter Meuscha) erwähnt. Besaß sie 1592 bereits drei Gänge. Im Jahr 1782 erhielt die Erlichtmühle das Schankrecht. Bei der Umspurung der Müglitztalbahn Heidenau-Altenberg war der Untere Mühlgraben 1935 im Weg und musste daher verlegt werden. Außerdem blieb diese Mühle auch nicht von Bränden verschont. Zweimal, in den Jahren 1922 und im Januar 1937 brannte die Roggenmühle ab. Nach einen komplett Umbau der Mühleneinrichtung erfolgte die Wiederinbetriebnahme im August des gleichen Jahres. Bei der Hochwasserkatastrophe 1927 im Müglitztal wurde die Mühle ebenfalls stark beschädigt. Im Jahr 1991 stellte die Erlichtmühle ihren Betrieb ein und wurde 1993/94 umfassend zum Wohn- und Geschäftszentrum Rekonstruiert. Noch heute befindet sich im Keller des Hauptgebäudes die Wasserturbine als technisches Denkmal.
Mühle um 1850
Briefkopf Dankelmann 1931 Plakat A. Dankelmann